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Pop-Art-Künstler Richard Hamilton gestorben

Bekannt wurde er, als er 1956 in der Whitechapel Art Gallery das womöglich erste Werk der sonst überwiegend amerikanisch bestimmten Pop-Art vorstellte: die kleine Collage „Just what is it that makes today's homes so different, so appealing?” (Was ist es nur, was das moderne Zuhause so anders, so anziehend macht?). Darauf ist unter anderem ein Bodybuilder mit großem Lolli zu sehen.

Fortan setzte Hamilton Gebrauchsgegenstände und moderne Technik in der bildenden Kunst ein und verwandte Fotografien, Werbung, Plakate und auch computergenerierte Bilder für seine Gemälde und Collagen.

Ein weiteres Werk ist „Swinging London” (1968/69); darauf sieht man Rolling-Stones-Star Mick Jagger, wie er sein Gesicht verdeckt und auf dem Rücksitz eines Polizeiwagens angeblich gerade verhaftet wird. In der Tate Gallery kann man sich heute einen Eindruck von Hamiltons Lebenswerk verschaffen. Im Vergleich mit den amerikanischen Pop-Künstlern wie Andy Warhol und Robert Rauschenberg, die ihre Motive vor allem aus Warenwelt und Werbung bezogen, gilt Hamiltons Werk als eher intellektuell.

Hamilton, gebürtiger Londoner, bekam im Laufe seine Lebens zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2007 den Max-Beckmann-Preis der Stadt Frankfurt am Main. 1993 wurde er bei der Kunstbiennale von Venedig mit dem Goldenen Löwen geehrt. Bis kurz vor seinem Tod hatte er an einer großen Retrospektive gearbeitet, die im nächsten Jahr durch Europa und die Vereinigten Staaten wandern soll, von London über Madrid nach Los Angeles und Philadelphia. „Richard Hamilton war einer der einflussreichsten und markantesten Künstler der Nachkriegszeit”, sagte der Direktor der Londoner Museumsgruppe Tate, Nicholas Serota. Zeitgenossen wie Warhol und Joseph Beuys hätten ihn sehr bewundert. Sein Einfluss auf neue Künstlergenerationen sei „unermesslich”, hieß es – ebenfalls aus Anlass des Todes – in Hamiltons Galerie.

Richard Hamilton studierte von 1938 bis 1940 an der Royal Academy of Arts Malerei; er belegte dort einen Kurs in technischem Zeichnen. Zwischen 1941 und 1945 arbeitete er in diesem Beruf, 1946 setzte er seine Studien an der Akademie fort. Von 1948 bis 1951 studierte er an der Slade School of Fine Art Malerei und begann, angeregt durch James Joyce' Roman „Ulysses”, künstlerisch zu zeichnen. 1952 bekam er einen Lehrauftrag an der „Central School of Arts and Crafts” in den Fächern Silberschmieden, Typografie und Industriedesign. Hamiltons Ruhm strahlte auch in Deutschland, denn hier hatte er dreimal an der Kasseler „documenta” teilgenommen.